Don’t Fuck The Audience

Die Entscheidung, unser nächstes Album ausschließlich für uns aufzunehmen und auf fb-likes, Vermarktbarkeit, Anzahl der Twitter- und Facebook-Fans, Klicks und  Überlegungen zur Marktpenetration ab sofort nicht mehr zu achten, bringt ein paar ganz nette Annehmlichkeiten mit sich.

Zum Beispiel die, dass wir uns sehr entspannt zurücklehnen und mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein Spiel beobachten können, zu dem wir nicht gehören wollen und in dem wir nicht stattfinden werden.

Und es ist wirklich witzig, was da gerade im Moment alles passiert.

Alle paar Monate lässt die Musikindustrie ein bisschen Kohle springen, um in der Öffentlichkeit Bundesregierung darauf aufmerksam zu machen, dass ihr altes Geschäftsmodell nicht mehr richtig funktioniert und sie deshalb gezwungen ist, ihr Geld mit Massenabmahnungen und Überwachung zu verdienen, und dass die Bundesregierung das bitteschön und gefälligst per Gesetzgebung ermöglichen und erleichtern soll.

Vor einem Jahr holte man dazu Julia Neigel (kennt die noch jemand? Hiess mal Jule, bis der Name geändert wurde und sich die Musik trotzdem nicht mehr verkaufte) und andere in die Jahre gekommene Stars aus der Versenkung und ließ sie unter dem Motto “Ja zum Urheberrecht!” publikumswirksam auf die Tränendrüse drücken frei erfundene Hetzpropaganda verbreiten, weil die bösen Piraten angeblich das Urheberrecht abschaffen wollten. Wollten sie natürlich gar nie, aber egal.

Eine Diskussion fand auch nie statt, und insbesondere die gute Jule sperrte und löschte alle kritischen Stimmen, die sich auf ihrer Facebook-Page zu Wort meldeten und die Diskussion suchten (und damit meine ich nicht shitstormen, da wollten einfach nur ein paar Leute mit ihr sachlich diskutieren. Wollte sie aber nicht. Aber egal.).

Vor einer Woche zeichnete sich dann ab, dass unsere Regierung der florierenden Abmahnindustrie mit einem neuen Gesetz zumindest einen kleinen Riegel vorschieben wollte. Natürlich war das Gesetz derart aufgeweicht (man möchte ja einflussreiche Wählergruppen auf keinen Fall vergraulen), dass die Abmahnindustrie trotzdem munter weitermachen kann, aber egal.

Auftritt Contentlobby: Die Zombie-Apokalypse naht!

Auf jeden Fall fiel die Musikindustrie auf die Mogelpackung rein, und da mal wieder das Geschäftsmodell (sprich: Massenabmahnungen) in Gefahr war, musste sofort eine neue öffentlichkeitsbundestagswirksame Aktion aus dem Boden gestampft werden. Diese hörte dieses Mal auf den schönen Namen “Don’t Fuck With Music”, und begann damit, dass eine “Initiative zum Schutz der Musik” mit dem Absender einer “Community Promotion&Publishing e.K.” alle Bundestagsabgeordnete mit einem (vermutlich illegalen) China-iPod-Nachbau beschenkte und einen Brief beilegte, in dem mal wieder davor gewarnt wurde, dass garantiert die Zombie-Apokalypse eintreten würde, würde man der Musikindustrie jetzt einfach so verbieten, die Konsumenten per Massenabmahnungen zu melken. Schnüff.

Ganz davon abgesehen dass nicht zu verstehen ist, warum man nicht mit Musik ficken soll (gerade “Dark Side Of The Moon” ist da beispielsweise ganz herrlich): Massenabmahnungen werden nicht wirklich verboten (dazu ist das Gesetz viel zu wischiwaschi), und Massenabmahner wie Moses Pelhams “DigiProtect” gehen auch vollkommen ohne die Hilfe unserer Regierung in die wohlverdiente Insolvenz. Schade nur, dass Moses seine Millionen wohl trotzdem behalten wird. Aber egal.

Gegenvorschlag Botany Bay :-)

Gegenvorschlag Botany Bay :-)

Nun ja, man weiss nicht, ob wie schnell die Bundestagsabgeordneten tun werden, was ihnen der Lobbyverband befiehlt, aber auf jeden Fall ging die Aktion nach ein paar Tagen in die nächste Runde, es wurden ein paar alternde Popstars aktiviert die das Ganze gut finden sollen (armer Sven Regener, ich hatte echt mehr von Dir erwartet) und es wurde eine schöne Webseite und eine Facebook-Fanpage gelauncht. Und gerade auf letzterer tobt gerade gewaltig der Shitstorm, obwohl sie tatsächlich das Kunststück fertig bringen, auf Facebook noch weniger Fans zu haben als Botany Bay.

Es wurde sogar demonstriert. Vor dem Bundestag. Mit fünfeinhalb Leuten, aber egal.

“Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns den Abmahnanwalt klaut!”… naja, das müssen wir noch mal üben.

Leider zeigt sich bei dem Shitstorm auf der fb-Page wieder einmal, welchen gigantischen Schaden die Contentmafia mit Gehirnwäsche-Formaten wie DSDS, X-Factor und Konsorten und mit den ewig gleichen “Hits von gestern und das Beste von heute” in den letzten Jahren in den Köpfen der Leute angerichtet hat. Denn es finden sich da natürlich wieder enorm viele Zeitgenossen, die den Musikern in den Kommentaren dazu raten, sich “eben ne richtige Arbeit” zu suchen, und die der Überzeugung sind, Musik sei halt nun mal nix wert, und es werde sie auch noch geben, wenn niemand mehr etwas dafür bezahlt. Oder um mal ein besonders bezeichnendes Original zu zitieren (eines von vielen):

Liebe Initiative, es gibt im Internet soviel gute Musik, die irgendwelche Leute in ihrer Freizeit produzieren und sie mit gewöhnlicher Arbeit finanzieren und dafür kein Geld haben wollen. Meint ihr wirklich eure Musik sei qualitativ besser? Geht doch einfach arbeiten wie der Rest der Welt auch und verabschiedet euch vom Traum ein tolles Leben mit Musik-Machen leben zu können. Oder meint ihr, wenn niemand mehr Geld für seine Musik bekäme, würde es keine gute Musik mehr geben?

Tja, Du und zig andere haben leider überhaupt nix kapiert. Setzen, Sechs.

So was macht mir eigentlich Angst. Weil hier jemand ganz ernsthaft der Ansicht ist, es ginge darum, dass man für Musik ganz allgemein nichts zahlen sollte. Und dass die “irgendwelche Leute” die die Musik “in ihrer Freizeit produzieren” ihre Produktionen deshalb verschenken, weil sie sich das so ausgesucht haben und weil sie so lieb und nett sind, und weil’s ja eh nix kostet… und nicht etwa, weil das System vollkommen kaputt ist und der Kuchen in einer einzigen großen Geklüngel-Suppe unter den ewig gleichen Verdächtigen verteilt wird und es um die Musik nur am Rande geht. Aber egal.

Apropos Kuchen. Ich wurde in der Vergangenheit ja schon öfter mal der Paranoia bezichtigt, wenn ich beispielsweise in Interviews auf die inzestiöse Verbindung von Plattenfirmen, Promo-Agenturen und kommerziellen Massenmedien eingegangen bin, und mich dazu äußerte, warum freie Musik in Deutschland keine Chance hat.

Mehr als einmal erkundigten sich Fans bei uns, warum wir “nicht mal was ans Radio schicken”, oder ob sie mal eine große Wunsch-Aktion starten sollen, damit wir “im Radio gespielt” werden. Und meine Entgegnung, dass das von vornherein Zeitverschwendung sei, weil Radios nun mal Verträge mit Werbepartnern und Plattenfirmen haben, wurde dann auch mehr als einmal mit skeptischem Stirnrunzeln beantwortet.

Glücklicherweise hat aber gestern erst der Social-Media-Praktikant (ich nehme mal an, dass es der Praktikant war; und ich nehme auch an, er ist das jetzt nicht mehr) von Weichspülradio FFH einen gigantischen Fehler gemacht, und einer Hörerin geschrieben, warum ihr Lied nicht gespielt werden kann:

Du kommst hier nicht rein!

Du kommst hier nicht rein!

Also, falls die Frage noch mal auftauchen sollte: Da oben steht die Antwort schwarz auf weiß und rot umrandet. Und das ist nicht nur bei Dudeldreck FFH so, sondern bei so gut wie allen kommerziellen Radiostationen in diesem unserem schönen Lande. Und es gilt auch nicht nur für Radiostationen, sondern auch für (beispielsweise) Onlineauftritte von Printmedien, denen “wir doch mal was schicken” könnten.

Ja, es mag Ausnahmen geben, und mit Vitamin B kann man verdammt viel erreichen, und wäre ich nicht so böse zum Web-2.0-Angestellten von der Spex gewesen, hätten sie vielleicht auch mal nachgeschaut wer wir eigentlich sind und irgendwo einen Halbsatz über uns verloren… aber größtenteils möchte die ehrenwerte Gesellschaft unter sich bleiben, und es soll ja keiner merken, dass der Kuchen ungerecht verteilt ist und eigentlich alles ganz anders sein müsste. Aber egal. Glücklicherweise machen wir das alles ja nur noch für uns…

In diesem Sinne… wir arbeiten dann mal weiter am neuen Album ;-)

P.S.: Ich hab den Artikel mitten in der Nacht geschrieben, wer Fehler findet darf sie behalten :)

Das theradio.cc-Interview + “No Excuse (now more than ever)”

Wie sich inzwischen vielleicht in ein paar Ecken des Internet herumgesprochen haben könnte, gab’s am Ostersonntag auf theradio.cc eine Ostersondersonntags-Sondersendung mit dem Thema Botany Bay ;-)

… und wir waren für ein Interview mit von der Partie… was auf unserer Seite ungefähr so aussah:

Botany Bay beim Interview

Botany Bay beim Interview

Inzwischen gibt es, den netten Leuten von theradio.cc sei dank, einen kompletten Mitschnitt des Interviews (ohne die Songs, die dazu gespielt wurden). Und, oh Wunder, das Ganze geht tatsächlich eine Stunde und fünf Minuten lang (was uns wirklich nicht so vorgekommen ist), Interessierte werden also ein bisschen Zeit mitbringen müssen.

Wer also schon immer wissen wollte, was Steffi in ihrer Kindheit gehört und gesungen hat, warum es Marius’ Meinung nach manchmal ganz gut ist, den Vöglein im Walde zuzuhören, was unsere Ansichten zur GEMA sind, welches Bandmitglied sich als eher so den plumpen Typen bezeichnet und wie unsere Pläne für die Zukunft aussehen, der kriegt es direkt hier raus (nicht erschrecken, am Anfang gab’s technische Probleme, ab 1:30 ist der Sound dann gut):

Wir hatten noch eine Überraschung für die theradio.cc-Hörer, nämlich eine alternative Version von “No Excuse”, die bei uns intern unter dem Namen “die jetzt-erst-recht-Version” läuft, und die am Sonntagabend auf theradio.cc ihre Premiere feierte.

Und weil die auf dem Mitschnitt leider nur bis zum Ende der ersten Strophe drauf ist und wir sie euch nicht vorenthalten wollen (nur weil ihr vielleicht Sonntagabend keine Zeit zum Radiohören hattet)… gibt es sie hier noch mal:

Was genau daran anders ist, beschreibt Steffi im Interview vermutlich am treffendsten: “Die ist ein bisschen echter. Freut euch drauf. Seid gespannt!”

An dieser Stelle noch mal unser allerherzlichster Dank an alle, die zugehört haben; an alle, die sich etwas gewünscht haben… und natürlich an Dennis und die theradio.cc-Macher. Das Ganze hat uns wirklich sehr viel Spaß gemacht, und es ist ein großer Motivationsschub für uns. Danke dafür :)

Wünsch Dir was!

theradio.cc haben eine schöne Aktion gestartet, über die wir uns sehr freuen, und die wir hiermit sehr gerne an unsere Fans weitergeben.

Und zwar gibt’s dort eine Art Botany Bay Wunschkonzert plus vielleicht Sondersendung (vorausgesetzt natürlich, es machen genug Leute mit… also, seid hiermit motiviert, mitzumachen ;-) so gut wie alles was wir je gemacht haben findet sich hier ;-))

An dieser Stelle herzlichen Dank an die Macher von theradio.cc; das macht uns tatsächlich Mut.

(Update 30.3.2013: Es sind tatsächlich so viele Antworten zusammengekommen, dass es morgen, Ostersonntag,  31.3.2013 eine Botany-Bay-Sondersendung geben wird, und zwar um 20.00h. Wir freuen uns ganz arg doll darauf und werden auch live dabei sein… bis morgen!)

Hurry To Me

Kaum zu glauben aber wahr: In zwei Jahren wird dieses Projekt 20 Jahre alt. Und aus der embryonalen Anfangszeit gibt’s an dieser Stelle heute einen kleinen Leckerbissen… ein bisher unveröffentlichtes Demo mit dem Titel “Hurry To Me”.

Dieser Track sei hiermit Katrin Schmidt, der damaligen BB-Leadsängerin gewidmet… wo auch immer sie jetzt sein mag. Es war eine tolle Zeit.

Nein, es klingt nicht so, wie wir heute klingen. Und auch nicht so, wie wir zwischendrin klangen. Es klingt so, wie wir ganz am Anfang klangen ;-) Viel Spaß damit!

 

Wohin

Wohin

Wenn es stimmt, daß nie etwas verloren geht,
dann sing ich immer weiter,
immer lauter,
unverdrossen,
ohne Publikum,
vielleicht lauschen die Götter, die auf irgendeiner Wolke sitzen,
vielleicht hört ein Unbekannter zu, der vor dem Fenster plötzlich stehenbleibt.

Ich weiss nicht, was ich sagen soll.

Karan von den Singvøgel hat uns ein Lied gewidmet, das sich (auch) mit unserer derzeitigen Situation beschäftigt, und mit all dem, was ich im letzten Posting geschrieben habe…

Und noch immer weiss ich nicht, was ich sagen soll. Nach 20 Jahren Musik gibt es immer noch Dinge, die mich sprachlos machen. Musik zum Beispiel.

Vielleicht nur so viel: Danke, liebe Karan. Das Lied ist wunderschön, es kommt genau zu der richtigen Zeit, und es bedeutet mir mehr als alle facebook-likes oder youtube-klicks, die wir nicht gekriegt haben.

Fühl’ Dich umarmt.

Hier geht’s zu dem Song.

Wie es ist

Ich habe es jetzt sehr lange vor mir hergeschoben, diesen Artikel zu schreiben.

Ich würde es am liebsten auch noch die nächsten 6 Monate vor mir herschieben, aber irgendwo sind wir unseren Fans, die uns so lange die Treue gehalten haben, ein Update schuldig – eine Erklärung, wie es bei Botany Bay weiter geht. Und da die anderen noch nicht bloggen, werde ich das wohl tun müssen.

Für die Antwort muss ich leider ein bisschen ausholen.

Wie ihr vermutlich alle mitgekriegt habt, ist mein Vater im Dezember verstorben, nachdem er vier Monate lang schwer krank gewesen war.

Diese Zeit seit August 2012 war eine fürchterlich schwere Zeit, und sie hat bei allen Beteiligten, so auch bei dieser Band, ihre Spuren hinterlassen.

Eigentlich hatten wir einen neuen Proberaum-mit-Studio in Köln angemietet, um im Herbst/Winter 2012 die ganz große NRW-Clubtour starten zu können und dazwischen die eine oder andere Aufnahme für das nächste Album zu machen.

Seit diesem einen schicksalsreichen Tag im August war daran aber nicht mehr zu denken; ich war nur noch zwischen Rhöndorf (meinem Wohnort) und Minfeld (dem Wohnort meiner Eltern) unterwegs, immer mit der Tachonadel am Anschlag, ging gleichzeitig so gut wie möglich meiner hauptberuflichen Arbeit als Softwareentwickler nach und war während all dessen bemüht, nicht die Nerven zu verlieren. Es waren Monate voller Ungewissheit, Schmerz und Komplikationen, die spürbar an Grenzen gingen, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe.

Dass wir es während dieser Zeit trotzdem geschafft haben, ein Lied für meinen Vater aufzunehmen, spricht für die große Freundschaft und das große Verständnis, das in dieser Band herrscht, und dafür, dass wir uns ohne viele Worte verstehen. Aber mehr als das und drei Sessions bei mir im Wohnzimmer waren trotzdem nicht drin.

Und jetzt?

Jetzt ist mein Vater tot, und ich fühle mich leer und unendlich traurig. Und habe sehr viel zum darüber Nachdenken.

Ich hätte mir für meinen Vater gewünscht, dass er in seinen letzten Jahren glücklich und zufrieden auf sein Leben zurückblicken kann… und natürlich, dass sie nicht so verdammt schnell kommen. Aber wer meinen Vater kennt, der weiss, dass er nicht glücklich und zufrieden war, sondern verbittert, oftmals verzweifelt und zum Schluss immer kränker.

Mein Vater war ebenso ein begnadeter Fotograf wie er ein begnadeter bildender Künstler war. Und ich sage das nicht aus Sohn-Vater-Bewunderung heraus (die war nie so wahnsinnig ausgeprägt), sondern weil’s einfach verdammt noch mal so war. Seine Fotos und Zeichnungen hätten auf Ausstellungen gezeigt werden müssen, sie hätten in Kunstsammlungen hängen müssen. Er hätte unendlich mehr Anerkennung für seine Kunst verdient gehabt, als er bekommen hat. Und das wusste er, und er verzweifelte daran.

Denn gefeierte Künstler, das waren immer nur die anderen geworden. Ex-Weggefährten, Ex-Mitarbeiter und Ex-Freunde. Die, als die Zeit dazu reif war, geschickt einen auf “Multimedia” machten, oder eifrig in der lokalen Kunst-Schickeria networkten (auch wenn man das damals noch nicht so nannte). Mein Vater war nie einer fürs Networken und sich irgendwo anbiedern, er sagte immer seine Meinung, war sich bis zum Schluss selbst treu, und war in vielerlei Hinsicht viel zu kompromisslos um all zu weit zu kommen.

Das letzte Bild, das es von meinem Vater und mir zusammen gibt. Tausend Dank an Katja für diese Erinnerung.

Ebenso erging es ihm im Beruf. Er hatte Kunsthistorik studiert und war selbständiger Restaurator; zu seinen guten Zeiten gehörten zu seinen Aufträgen der Apothekerturm vom Heidelberger Schloss, alles Mögliche am und im Schlossgarten in Schwetzingen, und mehr Sakralbauten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz als ich zählen kann.

Aber irgendwann ging unserem lieben Staat das Geld für Kunst und Kultur aus, und mein Vater liess sich trotzdem nicht beirren: Wenn eine originalgetreue, handwerklich perfekte Wiederherstellung einer Fassade mit den Originalmaterialien 20.000,– € kostete, dann tat sie das nun mal… und die Denkmalämter gaben den Zuschlag dann eben immer häufiger nicht mehr meinem Vater, sondern irgend einem “Restaurations-Experten” aus ganz-weit-weg, der nicht mal wusste, dass es “Restaurierung” heisst oder wie man Kunsthistorik buchstabiert, die Arbeit aber für unschlagbare 8.500,– € ausführte. Die Fassade war dann zwar nach bereits einem halben Jahr wieder kaputt und sah nicht mal ansatzweise wie das Original aus, aber man war im Plan geblieben und stand beim Vorgesetzten erst mal gut da.

(Öffentliche Ausschreibungen funktionieren übrigens immer noch ganz genau so, und deshalb haben wir so krasse Katastrophen wie die Elbphilharmonie und den Flughafen Berlin-Brandenburg).

Mein Vater beging den Fehler (oder vielleicht machte er auch genau das Richtige), seine Meinung über solche Vorgänge öffentlich kund zu tun, und er sparte nicht mit Kritik, egal wer sie gerade nicht hören wollte. Und als Dank dafür bekam er in den letzten Jahren so gut wie keine Aufträge mehr, wurde von den Denkmalämtern im wahrsten Sinne des Wortes am ausgestreckten Arm verhungern gelassen und häufte (in Zusammenhang mit der Tatsache, dass er auf einen Anlagebetrüger hereingefallen war) einen gigantischen Schuldenberg an… während er einer der besten Restauratoren in Baden-Württemberg war.

In den letzten Monaten vor seiner schweren Krankheit rief er oft bei mir an und beklagte sich darüber, dass ihm das Leben so übel mitgespielt hatte. Mir tat das fürchterlich leid, aber ich konnte ihm nicht helfen. Und nach einer Weile konnte und wollte ich es auch nicht mehr hören… weil es immer das Gleiche war und ich nichts ändern konnte. Und so ging ich irgendwann einfach nicht mehr ans Telefon wenn ich sah dass er es war.

Jetzt würde ich alles dafür geben, nur noch einmal solch einen Anruf zu bekommen.

Den Anruf anzunehmen und noch mal hinzufahren und für ihn da zu sein.

Aber diese Chance werde ich nie wieder haben.

 

 

Was das alles mit Botany Bay zu tun hat? Mehr als man denkt.

Viele Leute, die meinen Vater und mich kannten, sagen, dass wir uns sehr ähnlich waren. Was wohl eine Tatsache ist, die mich zu gleichen Teilen stolz und ängstlich stimmt.

Denn ich sehe meinen Vater vor mir, wenn ich über Botany Bay reflektiere. Wenn ich enttäuscht und bitter bin, dass es mit Botany Bay nie so richtig geklappt hat. Dass wir so irrsinnig viel gegeben und so lächerlich wenig erreicht haben. Dass ehemalige Unterstützer keine Werbung mehr für uns machen und mir unverblümt sagen: “Ich muss mich halt primär um die Sachen kümmern, die gut laufen“. Dass all die Zoe Leelas und Professor Kliqs und Amanda Palmers dieser Welt in Reviews, Interviews und Artikeln und Blogposts gefeiert werden, während Botany Bay nach 15 Jahren, nach “Grounded”, nach “I’ll send a postcard when I’m there”, nach “Stupid Summer Dreams” und nach “No Excuse” immer noch niemand kennt.

Und jetzt reicht es.

Es ist genug. Ich will diese Familientradition nicht fortsetzen. Ich will nicht so enden, das wäre einfach fürchterlich, und deshalb kann es so nicht weiter gehen.

Was wird also passieren?

Wir werden das nächste Album nur für uns aufnehmen.

In unserem Tempo, auf unsere Art und Weise. Nicht für irgend ein Publikum, nicht um irgendjemandem irgendwas zu beweisen, nicht für irgendwelche Top-Ten-Listen, nicht für Likes und nicht für Facebook-Shares und Youtube-Klicks.

Für uns.

Bei früheren Produktionen (und bei “No Excuse” auf ganz extreme Art und Weise) haben wir den Fehler gemacht, die Musik auf radiotauglich zu trimmen, die Leute nicht zu sehr zu verwirren, keine Experimente und Risiken einzugehen und alles nach dem Motto Botany-Bay-aber-trotzdem-so-kommerziell-wie-möglich zu machen. Teilweise mit einem irrsinnigen Aufwand.

Diesen Ansatz werde ich nicht weiter verfolgen, nie wieder.

Es klingt vielleicht sehr nach Gemeinplatz, aber mir ist letztes Jahr sehr deutlich bewusst geworden, dass das Leben sehr kurz ist, und dass es sehr schnell vorbei sein kann. Wenn das meine vorbei ist, dann möchte ich auf keinen Fall das Gefühl mit ins Grab nehmen, dass meine Musik so viel mehr verdient gehabt hätte und dass die Welt beschissen und ungerecht zu mir war.

Viel mehr möchte ich die Gewissheit haben, dass ich ganz einfach das beste und schönste gemacht habe, was ich tun konnte; dass ich meine Freude daran hatte, und dass ich die Leute, denen es gefällt, damit glücklich gemacht habe.

Und das wird funktionieren, ich weiss es.

Ich weiss es, weil es für “Some Moments” (das Lied, das wir für meinen Vater aufgenommen haben) bereits funktioniert hat: Der Song ist ungehobelt, roh und zerbrechlich, er hat in der Mitte einen dissonanten Bruch, er hat auf Jamendo nur drei Rezensionen, er hat so gut wie keine Downloads, und das alles ist mir vollkommen scheißegal. Es ist einer der besten Songs, die wir je aufgenommen haben, und einer, mit dem ich sehr, sehr glücklich bin. Und ganz nebenbei lieben ihn diejenigen wenigen, die sich auf ihn einlassen.

Es wird Zeit brauchen, auf diesem Pfad weiter zu gehen. Wir werden uns neu sortieren müssen, und wir werden lernen müssen, uns auf diesem Pfad zu orientieren. Aber wir werden es schaffen.

Im Moment ist bei keinem von uns die Energie dafür da… ich bin nicht der einzige in der Band, der sein Bündel zu tragen hat – irgendwie war das zweite Halbjahr 2012 einfach für uns alle aus ganz verschiedenen Gründen ganz enorme Oberscheiße.

Darum hier ab jetzt keine Deadlines und keine ungefähren Zeitangaben mehr… es ist fertig, wenn es fertig ist, und es wird schön sein, es wird genau so sein, wie es sein muss; es wird so gut sein dass es egal sein wird ob es jemand hört oder nicht. Für Leuten-Gefallen-Wollen-Spielchen ist das Leben viel zu kurz.

Vielleicht werde ich sogar vergessen, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, wenn es soweit ist. Das wäre sozusagen mein Maximalziel (⇐ oberbescheuertes Wort).

Apropos No Excuse…: Machen wir uns nichts vor, das Experiment, bewusst keine CC-Lizenz zu verwenden, das Ding kostenpflichtig zu machen und einen richtigen Promoter zu beauftragen, ist nicht geglückt. Im Gegenteil, es hat bedauernswerte Kreaturen aus dem Keller hochgelockt, die besser dort geblieben wären.

Aus diesem Grund, und weil es u.U. eine ganze Weile dauern wird, bis sich hier irgend etwas neues ergibt, stellen wir mit sofortiger Wirkung “No Excuse” unter BY-NC-ND-Lizenz (Ausnahmen: Die Remixes; diese haben ihre eigenen Lizenzen). Es darf ab sofort zu den Bedingungen dieser Lizenz frei kopiert und verteilt werden, und ihr dürft es auch gern in euerem Podcast spielen.

 

Viel Spaß damit. Wir sehen und hören uns in der Zukunft.

Moving On

Lang, lang ist es her… und trotzdem gibt’s von @erdstrahl jetzt ein schönes neues Video dazu. Und das passt irgendwie sehr in diese Tage. Ganz abgesehen davon, dass “Grounded” für immer und ewig einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben wird.

Hier noch mal vielen Dank für das Video!

(Und, ja, ich schreibe demnächst mehr dazu, wie es weitergehen wird. Wer dieses Blog verfolgt hat, der weiss, dass es eine verdammt schwere Zeit war und immer noch ist. Aber wir sind fest entschlossen, weiter zu machen… und ich kann jetzt schon sagen, dass dieses Neue, was hier gerade entsteht, einen mindestens ebenso besonderen Platz in meinem Herzen bekommen wird)

S.

Presse, die Zweite

Wir haben es inmitten von Aufnahmesessions und unserer neuen Single-Veröffentlichung vollständig hier zu erwähnen vergessen:

Bruno Kramm hat auf www.faz.net ein paar schöne Zeilen über Botany Bay geschrieben. Leider wurde Steffi auf dem Pressefoto abgeschnitten, aber wir versichern: Sie ist immer noch bei uns, und im zugehörigen Lied auch nur sehr schwer zu überhören.

Wer möchte, der darf unter dem Artikel gerne für uns stimmen.

Wir sagen dafür schon mal vielen Dank :)

new song – Some Moments

Die Geschehnisse der letzten Wochen haben uns dazu gebracht, einen neuen Song (eigentlich nicht neu… es handelt sich um ein Cover eines alten Ubik-Paint-Songs aus Stephans Feder) aufzunehmen und hiermit zu veröffentlichen.

Diese Aufnahme ist Stephans Vater gewidmet.
Wir wünschen ihm viel Glück und gute Besserung.

 

 

performed by Botany Bay

Stephan Kleinert – piano, harmonium
Stefanie Mühr – lead vocals
Marius Beylebens – acoustic guitar
Felix Klöckner – acoustic bass guitar

written and produced by Stephan Kleinert

alternate download via jamendo

Heuteabend…

Heuteabend darf ich endlich mal wieder in meinem eigentlichen “Job” als “Bandfotografin” tätig sein, denn die Band trifft sich bei uns.

KBurg Session

KBurg Session

U.a. um neue Bandfotos zu machen, über die Bandwoche und die vergangenen Wochen zu reden, ein paar Dinge, die liegengeblieben sind zu besprechen, usw.

Und vorallendingen um mal wieder Zeit miteinander zu verbringen.

Gut, die anderen waren jetzt erst ständig beieinander (.. und anscheinden haben sie es auch überlebt :) )

Aber trotzdem tut es gut, mal wieder alle wiederzusehen und einen gemütlichen Abend miteinander zu verbringen.

Also drückt uns die Daumen, dass es heuteabend nicht regnet, ansonsten gibt es auch keine neue Bandfotos zu sehen :)

Anno 1995

Wir haben jetzt auch endlich die Botany Bay Biographie auf unserem Blog online von den Anfängen 1995 bis jetzt..

Eine aufregende und vorallem lange Zeit, wenn man bedenkt wieviele Gastmusiker schon bei Botany Bay mitgespielt haben und was in der Zeit alles passiert ist.

Wieviel Zeit und Herzblut investiert wurde, um das “Projekt” irgendwie weiterzubringen. Von der eigenen Entwicklung und der Inszenierung der Musik ganz abgesehen.

Ich bin gespannt wo die Reise hingeht, auch wenn die aktuelle Lebensituation alles andere als rosig und kreativ ist, so bin ich doch sicher, dass Botany Bay stolz sein kann auf das was sie und vorallendingen Stephan geleistet haben. Und nicht zu vergessen Euch treue Fans da draussen.

Zur Biografie erster Teil 1995 – 2006 (von den Anfängen bis hin zum ersten Kontakt mit der CC Gemeinde)  bitte hier entlang  >>>>>  klick  <<<<<

Zur Biografie zweiter Teil 2007 – 2009  (vom offiziellen Release von “Grounded” bis hin zum größten Konzert von BB im Blue Shell )bitte hier entlang  >>>>>  klick  <<<<<

Zur Biografie dritter Teil  2010 – heute (vom  Casting der neuen Sängerin bis hin zum aktuellen Release)  bitte hier entlang  >>>>>  klick  <<<<<

Oder über die Navigationsleiste unter dem Punkt “Über Botany Bay…”

PS: Zur Zeit sind die Texte noch auf Englisch, im nächsten langen dunklen Winter werden wir diese auch mal auf Deutsch veröffentlichen, versprochen!

Zwischenstand

Leider gibt es bei Stephan nichts neues, es ist alles gleichbleibend besch…..

Immerhin haben wir jetzt bei seinen Eltern endlich mal Stephans alte Lieblinge aus dem Kellerverließ ins Tageslicht geholt, angeschlossen und ausprobiert. Und siehe da, das ein oder andere Schätzchen gibt immer noch Töne von sich, sehr zu Stephans Freude.

Es wurde kurzentschlossen ein kleines bisschen Aufnahmeequipment besorgt, so dass Stephan wenigstens von dort aus seiner Stimmung auf diese Weise etwas “Luft” verschaffen kann.

Stephan am Harmonium

Während Steffi und die Jungs gerade an einem geheimen Ort sind, dort geheime Dinge machen..

Geheime Dinge

irgendwo in Deutschland

Ich muss zugeben, die Bilder vom Rest der Band wurden mir anonym per Email zu geschickt, was es mit den Blümchen auf sich hat kann ich leider an dieser Stelle auch nicht sagen. Ich mache mir ernsthaft Sorgen!

Spass beiseite, in einem anderen Universum war geplant, dass Stephan, Tia und ich mitfahren.. aber wie bereits erwähnt, hält sich unser Leben leider so überhaupt gar nicht an das was wir gern wollen..

 

good to know

Hallo zusammen,

wie Ihr schon alle anhand des Autorennamens des letzten Beitrags lesen konnte, blogge ich (Katja) jetzt hier anstelle von Stephan, aber dazu später.

Erstmal zu mir, ein paar von euch treuen Fans werden mich kennen, im Netz tummel ich mich unter dem Namen Frau K. und blogge hauptsächlich privates Zeug auf Deichmannsaue.

Ganz nebenbei bin ich allerdings auch die Stammfotografin der Band und habe schon das ein oder andere Bild hier auf dem Blog beigesteuert. Eifrige Betrachter und Leser der Videoabspanne wissen auch, dass ich hauptsächlich für das Videomaterial verantwortlich bin, was der arme Stephan dann in liebevoller Geduldsarbeit zu einem wunderbaren Werk zusammenschnippelt. U.a. sind Stephan und ich seit mittlerweile 5 Jahren ein Paar und ich versuche so gut ich es kann seine Musik, seine Band und jetzt auch deren Bandblog zu unterstützen.

Ich mag die Musik der Band, auch wenn ich abgesehen von der Band selbst wohl diejenige bin, die Songs am meisten hört, die Texte vorgesprochen/gesungen bekommt, Songs beim Entwickeln zuschaut, sich hin und wieder die Ohren zuhält und auch mal konstruktive Kritik in den Raum stellt, wie “nein, gefällt mir gar nicht”.  (Die dann gern mal achselzuckend und verständnislos ignoriert wird.)

Ich bin die, die das Essen für die Vielfräße produziert, die dankend alles in sich reinschlingen, wenn sie doch auch eigentlich gerade viel lieber an den neuen Sachen arbeiten wollen.

Und da wären wir auch schon beim Thema, die neuen Songs, die Dinge, die auf der ToDo-Liste stehen und die doch so dringend abgearbeitet und erlebt werden wollen.

Leider hält sich das Leben nicht an ToDo-Listen und anscheinend schon gar nicht Stephans.

An einem Abend werden hier noch Songtexte zu Demozwecken aufgenommen, diskutiert ob das jetzt ok ist oder nicht, denn selbst für ein “Demo” muss bei Stephan und Steffi alles perfekt sein. (Gelegentlich muss ich dann den beiden totmüden Gestalten mitteilen, dass es doch “nur” ein Demo ist und nicht der Release.)

Wie man bereits in Stephans Bericht über 2011 lesen konnte, war das letzte Jahr nicht wirklich rosig.

2012 hörte sich erstmal besser an.

Wie gesagt, hörte.

Doch nach besagtem Demo-Song-Aufnahme-Abend war ein neuer Tag, an dem Stephan einen Anruf aus der Hölle bekam, wie ich es gern bezeichne.

Sein Vater hatte einen 2fachen Hirnschlag erlitten und lag in Strasbourg im Krankenhaus auf der Intensivstation. Stephan informierte mich sofort, ich liess alles an der Arbeit fallen und fuhr zu ihm. Da zu unserem Leben auch der Bandhund Tia gehört, konnte ich nicht so einfach mit und Stephan fuhr erstmal allein ins Ungewisse.  Ich kam Montag nach, der Vater war zwischenzeitlich ansprechbar, konnte sich aber nicht mitteilen.

Ein grosser Kraftaufwand in Sachen Bürokratie war es, den Vater aus Strasbourg nach Karlsruhe zu verlegen. Aber Dank der gelben Engel ging dann doch noch alles gut.

 

Stephans Vater liegt jetzt in Karlsruhe, sein Zustand verbesserte sich, verschlechterte sich dann wieder. Alles in allem eine schwierige Zeit und Stephan ist gerade noch bei seiner Mutter, und kümmert sich dort um alles.

 

Die Band und besonders ich, ich wünsche ihm alle Kraft die er braucht. Wir werden da sein, so gut wie wir können.

Für euch, liebe Fans, kann ich an dieser Stelle leider nur auf die bereits veröffentlichen Songs verweisen, hört sie euch an, teilt sie mit euren Freunden.

Ich werde hier die Stellung halten und hin und wieder was bloggen, ich habe noch ein bisschen “Insiderwissen” auf meiner Festplatte schlummern, was euch bestimmt die Zeit vertreibt bis es von der Band Neues zu hören gibt.

Drückt uns die Daumen ….